Lernen
Lernen ist jetzt für mich eine ganz wichtige Sache geworden. Denn ich lebe jetzt in der Stadt und darf nicht mehr alleine streunen gehen. Frauchen sagt, das ist zu gefährlich, dabei könnte ich sterben, und das will ich noch nicht.
Frauchen musste mir also ganz viele Dinge zeigen, die ich noch nicht kannte und konnte. Damit hatte sie ein Problem. Was sag ich “eins” - ganz viele Probleme hatte sie plötzlich. Ich verstand nämlich nicht, was sie von mir wollte.
Frauchen hatte früher als Kind schon mal einen Hund, und genau wie der Hund damals, sollte ich auch lernen: Sie sagte mir, was sie nicht wollte, und wenn ich es trotzdem tat, wurde ich bestraft. Ich habe begriffen, was sie NICHT wollte - aber WAS sie wollte, wusste ich nie. Und das wurde unser Problem. Ich wurde immer mehr durcheinander. Eines Tages ist mir der Kragen geplatzt und ich hab sie gebissen. Da waren wir alle beide sehr traurig und hilflos. So ging es nicht weiter.
Dann hat Frauchen im Internet Hilfe in unserem Hundeforum gefunden. Und seit dem versteh ich sie viel besser. Sie hat dort von den anderen gelernt, dass sie mir sagen muss, was ich richtig mache. Und DAS verstehe ich. Wenn ich jetzt was richtig mache, bekomme ich eine tolle Belohnung. Ich lerne jetzt auch Sachen, die eigentlich nicht so toll sind. Maulkorb tragen zum Beispiel. Aber Frauchen macht das so, dass es mir Spaß macht. Wir spielen dann “Naserein”. Das ist ein Spiel mit ganz viel Fleischwurst.
Und jetzt lerne ich fast alles auf diese Methode:
Frauchen ist noch nicht perfekt darin, aber sie hat schon ganz viel gelesen, und ganz viel gelernt und mit mir ausprobiert.
Aber eine Ausnahme gibt es. Da will Frauchen nicht mit sich reden lassen: Wenn ich nach ihr schnappe, gibts was ans Maul. Naja, da sag ich mal vorsichtshalber nix dazu. Manchmal geht es nämlich mit mir durch. Tut mir dann sofort leid, aber es passiert.
So und jetzt schaut euch an, was ich auf diese Methode gelernt habe:
Sitz!
Das mach ich eigentlich immer, wenn sie das will. Das ist nix Besonderes.
Aber ich finds blöd, mich ständig setzen zu müssen, nur für ein Leckerchen.
Durch . . .
die Beine Laufen. Das ist schon eher ein Kunststück. Das haben wir zum Spaß geübt. Aber das mach ich gerne. Am Anfang hat mir der Klick-Klack geholfen. Er hat Frauchen immer gesagt “Gib Batzi ein Lecker”, wenn ich durch ihre Beine gegangen bin.
Platz !
Tja, das ist auch schwer für einen selbstbewussten, stolzen Hund, wie mich.
Drinnen ist mir das egal, aber draußen? Wo alle mich sehen können, wie ich mich unterordne? Uijuijui - da muss ich immer laaange überlegen, ob ich das denn nun machen soll, oder nicht. Und wenn ein anderer Hund da ist, dann schon mal gar nicht.
Und wenn ich keinen Grund dafür sehe, am liebsten auch nicht. Wenn Frauchen mir das Leckerchen zeigt - vorher - dann vielleicht.
Und bei Anja wollte ich erst mal wissen, was das für ein Leckerchen ist. Aber dann fand ich es doch nicht gut genug, um dafür “Platz” zu machen.
Da bin ich ganz, ganz eigen.
Ins Wasser gehen.
Hier erklärt Anja mir gerade, warum ich in den Bach gehen soll. Sie hatte sicherlich Recht mit dem was sie sagte, aber ich fand es nicht so wichtig.
Ich fand wichtig, was mit dem Leckerchen passiert. Das es nicht plötzlich verschwindet, oder in den Bach fällt. Das wär ja schrecklich. Und ich überlege, ob ich für das Leckerchen riskieren kann, dass mein Bauch nass und kalt wird.
Luna ist weniger konzentriert bei der Sache, die hat diesen Unterricht schon lange hinter sich und springt in jedes Wasser.
Aber da kenne ich Grenzen.
Und hier sag ich euch die Bücher, die Frauchen gelesen hat:
“Calming Signals” von Turid Rugaas
“Hilfe, mein Hund zieht!” von Turid Rugaas
“Stress bei Hunden” von Martina Nagel und Clarissa v. Reinhardt
“Das Aggressionsverhalten des Hundes” von James O’Heare
“Trennungsangst beim Hund” von James O’Heare
In all diesen Büchern steht ganz viel darüber, wie wir Hunde lernen. Und vor allem darüber, wann wir überhaupt nichts mehr lernen können. Das ist ganz, ganz wichtig, aber das wissen die meisten Leute nicht.



Maulkorb tragen
Das ist schon ganz schön schwer, denn das ist ein total blödes Teil. Und ich hab das nicht so sehr gerne um meine Schnauze. Am Anfang mochte ich mich gar nicht bewegen, wenn das um meinen Kopf war.
Aber Frauchen spielt dann mir mir “Fleischwurst schippeln” und dann laufe ich hinterher und fress die Wurst. Das ist natürlich was Tolles. Da vergess ich, dass ich das Ding an habe.

